Das Piraten-MMO Atlas ist nur als Multiplayer gut – Ist das schlecht?

Das Piraten-MMO Atlas zieht seit seinem Release immer mehr Leute in seinen Bann. Und das, obwohl es so schlechte Kritiken bekommt. Gräbt man ein wenig tiefer, wird aber vor allem der Multiplayer-Aspekt gefeiert. Unser Autor Benedict fragt sich: Ist das gut oder schlecht?

Atlas ist eines der kontroversesten Spiele der letzten Zeit:

  • Die Steam-Bewertungen sind größtenteils negativ (31% geben dem Spiel eine positive Bewertung, Stand 4. Januar).
  • Trotzdem ist es aktuell auf Platz 15 der Games mit den meisten Spielern auf Steam. (via Steam)

Aber woran liegt das?

Mein Einstieg in Atlas: Frustration und erste Erkenntnisse

Als Atlas nach der dritten Verschiebung endlich erschien, war ich noch eine Weile lang skeptisch. Ark, mit dem Atlas oft sogar als Reskin verglichen wird, war schon nicht so sehr mein Fall, aber ein Piraten-Setting interessierte mich doch sehr. Die ersten Reviews schienen aber zu bestätigen, was ich dachte: Nicht so ein tolles Spiel.

Trotzdem stiegen die Spielerzahlen immer weiter und ich wollte dem Phänomen schließlich auf den Grund gehen. Ich habe angefangen, Atlas alleine zu spielen. Mein Eindruck nach mehreren Stunden: Ich bekomme selbst als erfahrener Survival-Spieler nur aufs Maul. Das macht so keinen Spaß.

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Atlas Wasser

Schöne Welt, aber nichts dahinter? Atlas sieht gut aus, aber Spielspaß fehlte mir.

Es dauert ewig, ein Startgebiet auszuwählen und wechseln ging (anscheinend durch einen Fehler) nur, wenn ich den Charakter neu erstellte. In einem Gebiet, in dem ich nicht sofort erfriere, kann ich meine ersten Schritte machen.

Hier treffe ich Kühe, die schon fliehen, wenn ich sie nur schief ansehe und sofort fünf Bullen alarmieren, die mich umkeulen. Großartig! Besonders, wenn man seine Leiche nicht plündern kann und bei Null anfangen muss. Das passierte so häufig, dass ich mehrere Male frustriert aufgab.

Trotzdem flachte das Interesse der Gaming-Community an Atlas nicht ab. Atlas versprach sogar, richtig groß zu werden. Ich habe Streamer und Spieler gefragt, was sie an Atlas denn so toll finden. Die Antwort war fast unisono: „Atlas ist großartig, weil wir gemeinsam die Welt erkunden und zusammen spielen können.“ Ist Atlas also nur als Multiplayer gut?

Titelbild Atlas Trailer 2

Atlas macht nur mit Freunden Spaß

Dass Atlas nur mit Freunden gut sein könnte, liegt nahe. Ist Atlas doch ein Piraten-MMO, in dem man einen guten Teil der Zeit gemeinsam ein Schiff steuern soll.

Auf der anderen Seite gibt es im Umkehrschluss die Kritik, dass Atlas alleine oder in kleineren Gruppen quasi unspielbar sei.

Was bedeutet also die Bindung von Gruppen an das Spiel?

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Darum ist Multiplayer für Atlas gut

Es fördert das Gruppenspiel: Ein Spiel, das nur mit mehreren Spielern wirklich gut gespielt werden kann, fördert den Zusammenhalt von Gruppen. Wenn man weiterkommen will, muss man sich auf andere Spieler verlassen können und selbst zuverlässig sein, um nicht aus der Gruppe rauszufliegen.

Dadurch fördert Atlas eine Bindung zwischen den Spielern, die sich gemeinsam ins Abenteuer stürzen. Entweder spielt man direkt mit einer Gruppe aus Bekannten und Freunden zusammen oder man sucht schnell Anschluss.

Damit baut Atlas auf einem Grundkonzept von MMOs auf und besinnt sich auf Werte, die bei einigen anderen Vertretern des Genres mittlerweile schwinden. Es vermittelt: Nur in der Gruppe seid Ihr stark, alleine werdet Ihr versagen.

Atlas Freunde

Multiplayer-Survival ist realistisch: Das Multiplayer-Konzept ist in einem Setting wie Atlas sinnvoll. In Atlas geht es darum, riesige Welten zu erforschen und zu beanspruchen, was alleine niemals möglich wäre.

Zudem sind Schiffe ein elementarer Bestandteil des Spiels. Schiffe von bestimmter Größe benötigen eine Mindestanzahl an Leuten, die damit umzugehen wissen, damit sie richtig gesteuert werden. Ein Spieler alleine könnte eben unmöglich eine riesige Galeone steuern.

Generell ist es realistisch, sich zu Gruppen zusammenzuschließen, wenn es ums Überleben geht. Und schließlich ist Atlas ein Survival-Game. Einsame Wölfe haben zwar durchaus Chancen, es alleine zu schaffen, aber in der Gruppe ist das Überleben leichter.

Atlas Schiff Aufgabe

Jeder in der Crew geht einer Aufgabe nach.

Darum ist Multiplayer schlecht

Einzelspieler haben keine Chance: Es gibt auch eine Kehrseiten von Spielen wie Atlas, die nur als Multiplayer-Game funktionieren.

Alleine ist Atlas kaum bis gar nicht spielbar, weil man immer Gefahr läuft, von einer Gruppe an Spielern getötet und ausgenommen zu werden. Man hat schließlich keine eigene, schützende Gruppe.

Dazu kommt, dass Einzelspieler keine Möglichkeit haben, sämtliche Skills voll auszubauen. In Atlas sind Spieler im Moment noch darauf angewiesen, sich zu spezialisieren, damit sie sich in der Gruppe ergänzen können. Einen „Jack of all Trades“, der alles kann, gibt es nicht.

Wer alleine spielt, kann vielleicht gerade so überleben. Größere Projekte wird er aber nicht angehen können.

Zum einen wegen der Skills, zum anderen, weil die meisten Gebiete der Karte auf offiziellen Servern bereits beansprucht wurden. Bleibt also nur die Möglichkeit, sich einen eigenen Server zu besorgen.

Atlas Screenshot 1

Es ist schwer, sich auszuleben: Die Limitierung der Skills führt auch dazu, dass sich Einzelspieler nicht voll ausleben können. In anderen Survival-Games ist es häufig möglich, sich ein solides Set an Fähigkeiten zuzulegen, mit dem man auch alleine viel erreichen kann.

In Atlas fehlt das. Den Spielern wird die Möglichkeit genommen, den eigenen Charakter frei zu entfalten, da die Auswahl möglicher Skills zu limitiert ist. Das ist zwar ein angenehmer Gedanke für eine Gruppe, aber nervig für Solo-Spieler.

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Atlas ist so schlecht, dass selbst die positiven Reviews negativ sind

Zwang, sich auf Fremde zu verlassen: Wer Atlas dennoch alleine spielen möchte und etwas erreichen will, wird sich früher oder später mit anderen Spielern zusammentun müssen, und sei es nur für eine Zweckgemeinschaft. In den Steam-Reviews liest man auch von Einzelspielern häufig, dass sie Mitspieler gefunden haben.

Das kann als „notwendiges Übel“ abgetan werden, birgt aber auch einige Gefahren. Besonders, wenn sich Spieler alleine einer bereits bestehenden Gruppe anschließen, kann es passieren, dass sie abgezockt werden.

Wie in jedem Spiel sind auch in Atlas skrupellose Mitspieler wie Griefer oder Scammer vorhanden. So können hart erarbeitete Ressourcen schnell durch einen Coup der vermeintlichen Freunde gestohlen und man selbst verstoßen werden. Ehre gibt es nicht unter allen Piraten.

Atlas 7

Fazit: Ist Atlas nun gut oder schlecht?

Im Endeffekt muss jeder selbst entscheiden, ob ihm diese Art des Spielens liegt. Ein Spiel, das auf dem Gedanken des Gruppenspiels aufbaut, hat eben Vor- und Nachteile.

Ich persönlich finde es für dieses Spiel nicht gut. Ich spiele sehr gerne und sehr viel Survival-Games und weiß auch, dass diese in Gruppen mehr Spaß machen können. Es kam aber häufig vor, dass meine Mitspieler irgendwann keine Lust mehr hatten.

Wenn genügend Spieler gehen, kann man die tollen, aufgebauten Städte alleine nicht mehr verwalten und ist gezwungen, neu anzufangen und viele Stunden Spielzeit hinter sich zu lassen.

Ich gehe deswegen mittlerweile häufig direkt den Weg, neue Survival-Games alleine anzufangen. So kann ich nach meinem Tempo erkunden und bauen und bin nicht darauf angewiesen, dass andere gerade Zeit und Lust zum Zocken haben.

Alleine bin ich in Atlas aber furchtbar gescheitert.

Wie ist Eure Einstellung zu diesem Thema?

Atlas hat bereits zum Start für heftige Kontroversen gesorgt. Einige bekannte Streamer haben eine ziemlich schlechte Meinung vom Spiel:

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Quelle: Zum Originalbeitrag